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Ankunft in Chicago: mit Umweg und ohne Koffer
Nach Chicago kam ich nur über einen Umweg. Mein Anschlussflug in Island hat leider nicht geklappt, und so wurde ich ein paar Stunden später von Keflavík nach Baltimore geflogen statt nach Chicago. Kurz vor Mitternacht landeten wir in den USA. Mit dem nächsten United-Airlines-Flug sollte es am Morgen um sieben Uhr weiter nach Chicago gehen.
Nachts in Baltimore
Die Einreisekontrolle zog sich hin, denn um diese Uhrzeit war nur noch ein einziger Beamter im Dienst. Probleme gab es aber keine: Ich habe ein B1/B2-Visum, das zehn Jahre gültig ist und das ich durch meine Arbeit für die Firma in den USA bekommen hatte.
Dann der nächste Schreck: Mein Koffer war nicht mitgekommen. Das war mehr als ärgerlich, denn darin war meine Marathon-Kleidung. In einem Hotel etwas außerhalb von Baltimore schlief ich ein paar Stunden und nahm dann den Shuttlebus zurück zum Flughafen.
Ein Marathonläufer am Gate
In der Wartehalle kam ich so früh am Morgen mit Tobias aus Bensheim ins Gespräch. Er war mir schon am Abend vorher an der Passkontrolle aufgefallen, denn er war von oben bis unten in Marathon-Finisher-Sachen gekleidet: Shirt, Cap und Jacke. Auch er wollte in Chicago den Marathon laufen, war aber zu seinem Glück nur mit Handgepäck unterwegs. Wir redeten übers Laufen, übers Training und über die Marathons dieser Welt, bis sich unsere Wege beim Boarding trennten.
Sonnenaufgang über dem Potomac
Der Flug war ein echtes Erlebnis. Im Licht der aufgehenden Sonne konnte ich von oben sehen, wie der Potomac in die Chesapeake Bay fließt. Ein riesiger, mächtiger Strom, und aus dem Flugzeug ein wunderschöner Anblick.

In Chicago fragte ich gleich bei Icelandair nach meinem Koffer. Er sollte mit dem nächsten Flieger aus Island kommen. Der landet aber erst abends in Chicago, also war eine Lieferung frühestens am nächsten Tag möglich, im besten Fall am Samstag. Das war mir zwei Tage vor dem Marathon zu heikel, und so fuhr ich erst einmal in die Stadt. Dort begrüßte mich Chicago gleich mit den Hochhäusern.
Erst mal einkaufen
Zum Glück hatte ich ein schönes Apartmenthotel in der Innenstadt, direkt gegenüber von Nordstrom. Nordstrom ist ein großes Kaufhaus in den USA, aber sehr hochpreisig. Mein Plan: nach einer kleinen Pause im Hotel erst einmal einen Burger essen und dann bei Uniqlo neue Kleidung und Unterwäsche kaufen. Für den Lauf würde ich mich dann auf der Marathonmesse neu einkleiden.
Auf dem Weg stand übrigens ein Tesla Cybertruck am Straßenrand. So ein Gefährt sieht man bei uns zu Hause nicht.

Einkaufen ist in den USA allerdings kein Schnäppchen. Die Preise liegen deutlich über denen in Deutschland, und im Grunde sind es dieselben Marken und Geschäfte, die man auch von zu Hause kennt.
Mit Bus und Bahn
Chicago hat ein gutes öffentliches Verkehrsnetz. Gut, die Fahrkartenautomaten sind sehr alt, nehmen keine internationalen Kreditkarten und geben kein Rückgeld, wenn man bar bezahlt. Aber für 10 USD bekommt man eine Tageskarte für die ganze Stadt und kann damit Bus und U-Bahn fahren, wobei die „L“ hier größtenteils als Hochbahn über den Straßen fährt. Die Regionalbahn kostet extra, ebenfalls 10 USD für eine Tageskarte.
Auf der Marathonmesse
Auf der Marathonmesse im McCormick Place war die Stimmung hervorragend. Bei Nike wurde jeder Verkauf kräftig bejubelt, egal ob Socke oder Shirt. Haha, schon lustig, wie hier die Begeisterung hochgehalten wird. Ich habe mir dort Schuhe und eine Hose gekauft. Und falls mein Koffer nicht kommen sollte, würde notfalls das alte Finisher-Shirt reichen, das ich im Flugzeug anhatte.
Abendspaziergang durch die Hochhäuser
Vom Messezentrum fuhr ich mit der Regionalbahn zurück zum Millennium Park und lief die fünf, sechs Blocks zum Hotel zu Fuß. Die Sonne stand schon tief, und ich kam aus dem Staunen über die Hochhäuser kaum heraus.

Auf der Brücke über den Chicago River leuchtete das Wasser in der Abendsonne, und unten auf dem Riverwalk war viel los.
Nur bei einem Turm dachte ich mir meinen Teil: dem großen, an dem in riesiger Leuchtschrift „TRUMP“ prangt!
Wie es mit meinem Koffer und dem Marathon weiterging, steht in Kein Marathon.